ZillerSeasons
Neues aus den ZillerSeasons

INTERVIEW FAMILIE EGGER Lebenswerk Hotel: Christina und Hans erzählen – Teil 1

Christina Binder-Egger | 29.11.2017

Das Schöne an einem Familienbetrieb ist ja: Man wächst in seine Aufgaben hinein. Und man hat die Möglichkeit, zu lernen – um es später anders oder noch besser zu machen. Wie das bei den ZillerSeasons gelungen ist, davon erzählen Christina Binder-Egger und ihr Vater Hans in diesem Interview.

JOURNAL: Hans, du hast mit deiner Frau Luise von 1979 bis 2009 den Gasthof Neue Post geführt und ihn zum Hotel ausgebaut. Christina, du hast den Betrieb 2009 übernommen. Wie groß war das Hotel in dieser Zeit?

HANS: 1977 haben wir auf den Speisesaal drei Stockwerke draufgebaut, davon waren zwei in Verwendung. Ein paar Jahre später haben wir auch den dritten Stock fertiggemacht mit nochmal acht Zimmern. Komfortzimmer hieß damals: Dusche und WC oder Bad und WC. In den älteren Zimmern gab es nur ein Waschbecken. Als ich den Betrieb an Christina übergeben habe, hatten wir 35 kleine Zimmer mit 80 Betten. Die waren über 30 Jahre alt, zwar gut in Schuss, aber in Sachen Komfort und Einrichtung überholt.

CHRISTINA: Die Frage war: Was macht man mit dem Haus [lacht]? Schon seit 2005 hatten wir Pläne zum Umbau, aber ich war mir unsicher, wo die Reise hingehen soll. Mir war bewusst, dass man eine wahnsinnige Investition tätigen müsste. Ich wollte aber eigentlich kein Hotel haben, kein Restaurant und keine Bar. Als Kind hat es für mich immer geheißen, nie die Mama und den Papa zu haben, nicht zum Frühstück und nicht zum Abendessen, nicht beim Schulball, nicht an Weihnachten. Das Christkind ist immer erst um halb elf abends gekommen. Und immer gab es den finanziellen Druck: wieder investieren, wieder neue Gäste gewinnen.

Du wolltest also den Betrieb eigentlich nicht übernehmen. Was hat dich zum Umdenken bewogen?

CHRISTINA: 2008 hat mich mein Mann mitgenommen zum Hahnenkammrennen, und da hab ich einen Telefonanruf von zuhause bekommen: Unsere Kellnerin ist weggelaufen, wo kriegen wir jetzt eine Kellnerin her? Das war der Moment, in dem mein Mann gesagt hat: Schluss. So kann es nicht weitergehen, wir bauen im Frühjahr um. Und wir haben uns dazu entschieden, den Betrieb zu übernehmen – aber nach unseren Vorstellungen. So haben wir uns im Laufe der Jahre zu dem entwickelt, was wir heute sind: Ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit Haubenrestaurant und Boutique Spa und insgesamt 40 Mitarbeitern. Die Bettenanzahl ist ungefähr gleich geblieben, aber heute gibt es neben den Apartments auch große Suiten und unsere Sky Lofts. Und dann kamen unter dem Dach der ZillerSeasons eben noch die ZillerLodge und die HochLeger Chalets dazu, die zusammen mit dem Martinerhof und den neuen TreeLofts zum Luxusresort werden.

Wie ging es damals weiter?

CHRISTINA: Ein großer Tourismusberater hat für uns eine Studie durchgeführt, wie es mit dem Haus weitergehen kann. Wir hatten uns konkrete Ideen erwartet, wie wir umbauen sollten, und eine Art Businessplan. Die Hälfte der Studie bestand dann aber aus einer Beschreibung vom Zillertal und von Benchmarking, als Fazit stand: Das ist alles ganz schwierig. Der Berater hat keine Richtung und keine Positionierung vorgegeben. Die Studie ist bei uns in den Müll gewandert. Mit den Ergebnissen konnten wir nichts anfangen, also haben wir die Sache selbst in die Hand genommen. Durch die Kontakte meines Mannes Reinhard haben wir einen Absolventen des Holzbaulehrstuhles kennengelernt, Thomas Urthaler, der später als Architekt den gesamten Umbau gestaltet hat. Wir wollten keine Bar und keine Küche mehr führen, sondern Selbstversorger-Apartments bauen. Und zwar auf hohem Niveau, stilvoll, luxuriös – etwas, das es hier noch nicht gegeben hat. „Serviced Apartments“ waren im Zillertal nur sehr dünn gesät. Unter diesen neuen Bedingungen und mit der Zeit ist bei mir auch die Liebe zum Beruf wiedergekommen.

Wart ihr mit dem neuen Konzept gleich erfolgreich?

CHRISTINA: Ja. Wir bekamen eine Anfrage von Werder Bremen, die inzwischen seit Jahren ihr Sommertrainingslager bei uns machen. Um sie und unsere Herbstgäste zu versorgen, haben wir die Bar umgesiedelt und die Küche gebaut. Die Nachfrage ist immer weiter gestiegen, sodass wir nochmal einen großen Schritt gegangen sind, um die Wünsche der Gäste erfüllen zu können. Zugleich haben wir bei vielem gedacht: Das ist so lässig, das ist so schön, das wollen wir auch unseren Gästen zeigen und ermöglichen. So sind zum Beispiel die HochLeger entstanden.

Wie würdet ihr eure „Work-Life-Balance“ beschreiben? Was ist heute anders als früher?

HANS: Wir hatten minimal Freizeit und maximal Pflichten. Ich hab das Frühstück gemacht, bin dann ins Büro, hab Rechnungen, Anfragen, Angebote getippt mit der Schreibmaschine, Meldescheine ausgefüllt, Briefe auf die Post gebracht. Dann bin ich in die Küche und hab Mittagessen gekocht, es gab eine altmodische Speisekarte mit 20 Sachen, die gutbürgerliche Küche. Nach dem Mittag zwei Stunden Pause und danach wieder in die Küche, 60 bis 70 Abendessen für die Halbpension kochen. Ich hatte zwar Helfer, aber ich war der Chef, hab das alles kontrolliert, die Suppe gekostet, jedes Kilo Zucker eingekauft. Bis wir aus der Küche kamen, war es zehn Uhr abends. Meine Frau ist dann noch bis zwölf, eins an der Bar gestanden, auch mal bis vier Uhr. Wir haben hart gearbeitet, aber wir haben uns nicht beklagt. Für uns war das einfach normal so.

CHRISTINA: Aus dem, was die Generation vor uns gemacht hat, und durch die großartige Unterstützung meines Mannes – der in Sachen Management extrem versiert ist – habe ich viel gelernt. Wir sind heute ganz anders aufgestellt. Wir bemühen uns wahnsinnig um unsere Mitarbeiter. Wir legen da sehr viel Wert drauf, auch auf die Lehrlinge, wir investieren richtig Geld in die Ausbildung. Wir haben Abteilungsleiter und Stützen, auf die wir uns verlassen können. Der operative Betrieb läuft, ob ich da bin oder nicht. Der administrative Bereich hat sich dafür ums Tausendfache potenziert. Heute bearbeiten wir um die 80 Anfragen am Tag, früher waren es acht bis zehn Anfragen, aber konkret. Aus fast jeder Anfrage ist damals eine Buchung geworden, heute bleiben dir von 80 Anfragen etwa eine oder zwei am Tag [lacht]. Die Auflagen sind immens, HACCP, Auszeichnung der Allergene, Hygienevorschriften, das mach ich alles selber. Also kann man sagen: Früher war die Arbeit hauptsächlich operativ, kaum Administration. Heute geb ich das Operative an Mitarbeiter ab und mach die Administration selbst, aber die ist einfach explodiert.

HANS: Ich bereue, dass mir der Knopf nicht früher aufgegangen ist. Früher haben wir alle in dem Wahn gelebt, je mehr du selbst tust, desto besser bist du aufgestellt als Gastgeber. Aber das ist falsch. Du musst gute Leute haben und dich selbst um die sehr wichtigen Sachen kümmern. Da gehört auch die Familie dazu.

CHRISTINA: Natürlich gibt’s Ausnahmen, aber grundsätzlich essen mein Mann und ich mit den Kindern gemeinsam zu Abend. Ich würde es nicht anders machen. Ich springe überall ein und helfe mit, ich liebe das. Und zum Glück ist es mir heut auch möglich, für meine Familie da zu sein.