Raum für den Zufall
Journal - ZillerSeasons
Neues aus den ZillerSeasons

Interview

Raum für den Zufall

Christina Binder-Egger | 28.06.2016

Harald Margreiter hat den Blick fürs Wesentliche und ein Händchen für die Details. Mit viel Gefühl und Professionalität verschafft der Innenarchitekt den Häusern der ZillerSeasons naturnahes Flair, unaufdringlichen Stil und wohnliche Ausstrahlung. Dem ZillerSeasons Journal erzählt er von seiner Herangehensweise.

JOURNAL: Was macht Einrichten spannend? Wovon werden Sie inspiriert?

MARGREITER: Ich darf begeistern. Dafür nehme ich jede Herausforderung äußerst aufmerksam wahr. Zuallererst gibt es nur ein einziges Credo, eine Maxime – etwas ganz Besonderes neu erschaffen zu wollen. Reisen und Kunst sind meine inspirierenden Quellen der Neuschöpfung, gerade in einem laufenden Gestaltungsprozess. Immer wieder laden mich die Natur, das Reisen und menschliche Begegnungen enorm auf.

JOURNAL: Verraten Sie uns Ihre Arbeitsweise?

MARGREITER: Ich bereite mich niemals auf eine spezielle künstlerische Aufgabe vor, sondern begegne jedem neuen Projekt als absolute Herausforderung. Ich möchte und muss dem Zufall im Entwurf immer seinen Raum einräumen. Nehmen wir das Thema Licht: Licht spielt beim Einrichten eine zentrale Rolle. Viele Entscheidungen fallen daher erst vor Ort, mitten im Entstehungsprozess – wie bei den HochLegern. Erst einmal auf den Berg, das Licht am Bauplatz in sich spüren, dann fühlen, und danach erst geht es ans Einrichtungskonzept. Jedes Ambiente ist solitär und soll die Seele der Bauherren widerspiegeln. Es gipfelt in einer gewachsenen, spannenden und künstlerischen Neuinterpretation der modernen Wohnkultur.

JOURNAL: Wie sind die HochLeger entstanden?

MARGREITER: Im Idealfall entsteht zwischen Architekt, Bauherr und Innenarchitekt ein Wechselspiel, ein Tanz, ein ehrliches und stetes Bemühen um ein gutes Ergebnis. Die Begeisterung für das Projekt ist der unerlässliche Antriebsmotor. Christina, Thomas, Reinhard und ich [Anm. d. Redaktion: Geschäftsführerin Christina Binder-Egger mit Gatte Reinhard Binder sowie Architekt Thomas Urthaler] schöpften in der Entstehungsphase aus einem tiefen Brunnen an Ideen, der nicht aufhörte zu quellen. Wir beleuchteten viele Ausführungsmöglichkeiten und legten uns nicht gleich von Anfang an fest auf eine Stilrichtung – wir blieben offen bis zur Umsetzung. Bei den HochLegern haben wir anfangs die Holzböden angedacht, Holzart, Breite und Farbe der Dielen ausgewählt. Daraus ergaben sich automatisch weitere Einrichtungsschritte wie textile Materialien, Möbel in Schnitt und Farbigkeit. Schränke als funktionierender Stauraumspender werden erst später dimensioniert. Hätten wir alles von vornherein festgelegt, hätte das Projekt nicht solch eine eigenständige Kraft entfalten können.

JOURNAL: Uns begegnet Tiroler Handwerk neben modernem Design. Ist das kein Widerspruch?

MARGREITER: Im Gegenteil. Richtig inszeniert, ergibt sich eine neue Dimension alpiner Wohnkultur. Gerade daraus entsteht dieses wohltuende, anregende Vibrieren im Empfinden des Ambientes.

JOURNAL: Erzählen Sie uns vom Bauernschrank!

MARGREITER: Ich bin von jeher ein großer Liebhaber der Volkskunst. Die Bauernmöbel in den HochLegern sind alle aus dem Tiroler Alpenraum. Sie sind echt. Die Bauernschränke und antiken Truhen waren früher die Mitgift, also die Aussteuer für die Töchter, wenn sie den Hof verließen. Sie waren voll mit wertvollem Bauernleinen, aus dem Bett- und Tischwäsche gemacht wurde. Diese Zeitzeugen alpiner alter Wohnkultur sind oft sehr bunt mit floralen oder auch mit sakralen Motiven bemalt, weil sie ursprünglich in den dunklen Schlafkammern standen und diese ein wenig allegorischer gestalten sollten.

JOURNAL: Wie kommt die Badewanne ins Wohnzimmer des Romantikchalets?

MARGREITER: Ein sehnsüchtiger Wunsch des Bauherrn – kann denn ein Aufenthalt in den HochLegern Sünde sein? Althergebrachte Hotel-Chaleteinrichtungen immer stilistisch gleich zu interpretieren, wäre doch einfallslos. Die Herausforderung ist, das Neue und Einzige entstehen zu lassen.

Harald Margreiter

Als Sohn eines Restaurators war Harald Margreiter schon früh mit den Proportionen und Stilen der Kunstgeschichte vertraut. Mit der Gabe, Menschen und deren Wohnwünsche von Grund auf zu verstehen, stellt er sich jeder Herausforderung immer wieder neu. Jede seiner Lösungen ist einzig in ihrer Art.


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