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Neues aus den ZillerSeasons

TeeZeit mit Vanessa Hein:

Bewusste Ernährung zwischen Profisport, Genuss und Alltag

Während ihres Aufenthalts im Zillertal verbrachte die Ernährungsberaterin von Werder Bremen, Vanessa Hein, einige entspannte Tage in den ZillerSeasons. In ruhiger Atmosphäre im MalisGarten sprach sie mit Christina Binder-Egger über bewusste Ernährung, Leistungsfähigkeit und die Rolle kleiner Gewohnheiten, die im Alltag Großes bewirken können.

Wenn Profisport auf Bergluft trifft, ensteht Raum für spannende Gespräche überGesundheit, Ernährung und Genuss

Zu Beginn unseres Gesprächs erzählt Vanessa Hein, wie herzlich sie und das Team von Werder Bremen während ihres Aufenthalts im Zillertal empfangen wurden. Die entspannte Atmosphäre, das ausgezeichnete Essen und die angenehme Umgebung - auch für Familien - hätten ihren Aufenthalt in den ZillerSeasons besonders gemacht.

 

Vanessa Hein arbeitet als Dozentin für Sporternährung und betreut als Ernährungsberaterin die Profimannschaft von Werder Bremen. In dieser Funktion ist sie für die gesamte Verpflegung rund um Training, Spieltage und Auswärtsspiele verantwortlich. Dazu gehört die Abstimmung mit Küchenteams, die Planung der Mahlzeiten sowie die Beratung der Spieler zu individueller Ernährung und Nahrungsergänzung - stets mit dem Ziel, Leistungsfähigkeit und Regenaration optimal zu unterstützen.

Was verstehst du unter einer gesunden Ernährung und wie sieht das konkret im Alltag eines Bundesligaspielers aus?

Vanessa Hein: Das ist tatsächlich nicht das Gleiche. Eine gesunde Ernährung ist generell sehr ausgewogen und sollte vor allem ballaststoffreich sein. Eine Sportlerernährung, gerade für Leistungssportler am Spieltag, ist hingegen nicht immer so ausgewogen.

Eine gesunde Ernährung bedeutet grundsätzlich: ausreichend trinken, viele Ballaststoffe, komplexe Kohlenhydrate, viel buntes Gemüse und Obst, mageres Protein sowie gesunde Öle und Fette. Für Fußballer sollte das natürlich auch die Basis sein. Wenn aber sehr intensive Trainingseinheiten anstehen oder ein Spieltag bevorsteht, muss der Körper viel muskuläre Arbeit leisten und die Spieler müssen viel laufen. Da bleibt wenig Zeit für die Verdauung. Deshalb sollte man direkt vor einem Spiel oder Training nicht zu viele Ballaststoffe zu sich nehmen, sondern eher leicht verdauliche Kohlenhydrate und vielleicht auch mal schnelle Zucker, die direkt ins Blut gehen und schnell Energie liefern. Das würde man im Alltag für Nicht-Sportler nicht unbedingt als „gesunde Ernährung“ deklarieren, aber für Sportler ist es in dieser spezifischen Situation das Beste.

 

Das heißt, die Ernährung spielt auch eine große Rolle bei der Regeneration und der generellen Leistungsfähigkeit?

Vanessa Hein: Genau. Man kann die Regeneration durch die Ernährung in einem bestimmten Maße beeinflussen. Natürlich spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle. Aber wenn man beispielsweise gute Fette, Antioxidantien, Proteine und die richtigen Kohlenhydrate zuführt, kann die Regeneration beschleunigt werden. Wenn ich nach dem Spiel lange nichts esse und die Speicher leer bleiben, brauche ich länger, um wieder fit zu werden. Auch wenn ich direkt nach einer Belastung schlechte Fette esse oder Alkohol trinke, kann das die Regeneration hinauszögern.

 

 

Wie schaffst du es, die Spieler im Alltag wirklich zu erreichen, zum Beispiel zwischen Auswärtsspielen, Reisen und dem Medienrummel?

Vanessa Hein: Da ich viel auf dem Trainingsgelände bin, versuche ich, ein unauffälliger Ansprechpartner zu sein. Ich möchte nicht zu offensiv vorgehen und die Spieler in Eins-zu-Eins-Gespräche drängen, da sie sich sonst schnell beobachtet oder in die Ecke gedrängt fühlen könnten. Stattdessen nutze ich die Zeit nach dem Training, wenn die Spieler in die Küche kommen, um sich etwas zu essen oder zur Regeneration zu holen. Da komme ich über lockere Gespräche in eine beratende Funktion. Das Wichtigste ist, dass die Spieler einem zuhören und vertrauen. Zudem muss das Essen auch schmecken. Es bringt nichts, wenn es extrem gesund und perfekt auf die Leistung abgestimmt ist, es aber niemandem schmeckt. Es muss für den Großteil zufriedenstellend sein – und bei etwa 30 verschiedenen Geschmäckern ist das natürlich eine Herausforderung.

 

Gibt es Grundprinzipien in der Ernährung, die für jeden Menschen – nicht nur für Sportler – gelten?

Vanessa Hein: Ja, auf jeden Fall. Für alle gilt: ausreichend Flüssigkeit aufnehmen, am besten in Form von ungesüßten Getränken wie stillem Wasser oder ungesüßtem Tee. Eine verdünnte Saftschorle ist auch mal in Ordnung, aber es sollte nicht zu süß sein. Der Zuckerkonsum ist generell ein wichtiges Thema und sollte gering gehalten werden, da Zucker mittlerweile mit vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Zudem sollte die Ernährung ballaststoffreich sein, da Ballaststoffe nachweislich einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Das erreicht man durch Vollkornprodukte und viel bunt gemischtes Gemüse und Obst. Wichtig ist auch, dass man abwechslungsreich isst und nicht jeden Tag das Gleiche.

 

Gibt es Lebensmittel, mit denen man Zucker im Alltag gut ersetzen kann?

Vanessa Hein: Das ist mittlerweile wirklich schwierig, da Zucker in vielen Produkten versteckt ist, in denen man ihn gar nicht vermutet. Selbst auf den ersten Blick gesunde Bio-Snacks für Kinder enthalten oft zugesetzten Zucker, der sich hinter verschiedenen Namen wie Fruktosesirup oder Glukosesirup verbirgt. Man gewöhnt sich schnell an diesen süßen Geschmack und möchte immer mehr davon. Eine Möglichkeit ist, mehr Dinge selbst herzustellen. Statt zum Beispiel einen fertigen Fruchtjoghurt zu kaufen, kann man einen Naturjoghurt nehmen und frische Früchte oder etwas Honig hinzufügen. Wenn man sein Müsli selbst zusammenstellt und auf fertige Mischungen verzichtet, hat man die Zutaten besser im Blick. So kann man sich langsam von diesem starken Zuckerkonsum entwöhnen.

Wie funktioniert die individuelle Ernährungsberatung bei Werder Bremen? Sind die Spieler offen für deine Empfehlungen?

Vanessa Hein: Die Spieler sind wirklich sehr offen und wissbegierig. Wenn ich nach dem Training bestimmte Getränke hinstelle, werde ich oft gefragt, was darin ist und wofür es gut ist. Wir bieten auch Vorträge mit generellen Informationen an, aber ich finde, in einem individuellen, lockeren Gespräch kommt das viel besser an. Wenn Spieler verletzt sind, ist das noch einmal eine andere Situation. Sie können dann nicht so viel trainieren, bekommen vielleicht Behandlungen oder machen Oberkörpertraining. In dieser Zeit kann man sie mit der Ernährung gut unterstützen und die Verletzungsphase vielleicht sogar etwas verkürzen.

 

Das heißt, mit der Ernährung kann man tatsächlich darauf einwirken, eine Verletzungsphase zu verkürzen?

Vanessa Hein: „Verkürzen“ ist vielleicht etwas viel gesagt, aber man kann den Heilungsprozess durch eine gute Ernährung auf jeden Fall optimal unterstützen und ein unnötiges Hinauszögern vermeiden. Wenn ein Spieler länger ausfällt und sich schlecht ernährt, wandelt sich die Muskulatur eher in Fett um, er nimmt an Gewicht zu und braucht länger, um wieder seine alte Form zu erreichen. Wenn man die Kalorienzufuhr anpasst und ausreichend magere Proteine, Gemüse, entzündungshemmende Nährstoffe und Omega-3-Fettsäuren zuführt, unterstützt das die Regeneration enorm.

 

Kann man Omega-3-Fettsäuren in der Alltags-Ernährung ausreichend aufnehmen, oder braucht es Nahrungsergänzungsmittel?

Vanessa Hein: Theoretisch könnte man sie über die Ernährung, zum Beispiel durch fetten Fisch wie Lachs, aufnehmen. Die Realität zeigt aber, dass der Omega-3-Index im Blut selbst bei sehr bewusster Ernährung oft nicht ausreicht. Daher macht eine Supplementierung auch für den Normalverbraucher absolut Sinn, um die Gesundheit zu unterstützen.

 

Interviewerin Christina Binder-Egger: Wie wichtig sind neben der Ernährung auch Faktoren wie Schlaf, Erholung und Stressmanagement?

Vanessa Hein: Mentale Gesundheit, Stressmanagement, Schlaf und Bewegung sind neben der Ernährung die großen Bausteine, die unsere Lebensqualität und Lebensdauer stark beeinflussen. Wenn man nicht zur Ruhe kommt, wenig schläft und viel Stress hat, wirkt sich das negativ auf den Körper aus und ist ein Risikofaktor für viele Krankheiten. Auch die Regeneration bei Sportlern ist davon extrem abhängig.

Gelingt es dir im Alltag, gesunde Ernährung mit echtem Genuss zu verbinden?

Vanessa Hein: Das sollte auf jeden Fall das Ziel sein, denn nur dann hält man es langfristig durch. Wenn Menschen sich gesünder ernähren wollen, machen sie es oft zu radikal, verzichten auf alles, was sie mögen, und suchen sich Rezepte, die ihnen eigentlich gar nicht schmecken. Das führt schnell zu Frustration und einem Rückfall in alte Muster. Es macht mehr Sinn, mit kleinen Schritten zu starten, die zum eigenen Lebensstil passen und schmecken.

 

Welche Rolle spielen grüne Tees in einer gesundheitsbewussten Ernährung?

Vanessa Hein: Grüne Tees enthalten Catechine, also sekundäre Pflanzenstoffe, die sehr positive Effekte auf den Körper haben. Sie wirken entzündungshemmend. Das Ziel einer gesunden Ernährung ist es unter anderem, Entzündungen im Körper, die durch Stress oder äußere Einflüsse entstehen, zu senken. Dafür ist grüner Tee ein sehr gutes Produkt.

Welche typischen Fehler machen Menschen, wenn sie anfangen, sich gesünder zu ernähren?

Vanessa Hein: Der häufigste Fehler ist die radikale Umstellung von heute auf morgen. Man schränkt sich zu stark ein, geht vielleicht in ein zu großes Kaloriendefizit, was dann unweigerlich zu Heißhunger führt. Es ist sinnvoller, mit kleinen Veränderungen zu beginnen, wie etwa dem 16:8-Intervallfasten – sofern das zum eigenen Rhythmus passt. Man muss einen Weg finden, der für einen selbst funktioniert und der einen nicht frustriert.

 

Es ist sicher motivierend für die Gäste, wenn du als Ernährungsberaterin auch mal erlaubst, ein Stück Schokolade oder Kuchen zu essen.

Vanessa Hein: Auf jeden Fall! Ausnahmen und Genuss müssen Teil einer gesunden Ernährung sein, sonst betrachtet man sie als Strafe. Man sollte Genussmomente bewusst einplanen und sich darauf freuen können.

 

Wie lange dauert es in etwa, bis man solche Gewohnheiten in seinen Alltag integriert hat?

Vanessa Hein: Das ist ganz unterschiedlich. Wenn man sich ein festes Ritual schafft, das man jeden Morgen macht, ist das natürlich super. Aber wie lange es dauert, bis es zur festen Gewohnheit wird, ist sehr individuell.

 

Gibt es ein gesundes „Soulfood“, das dem Körper und der Seele guttut?

Vanessa Hein: Ich glaube, das ist ebenfalls sehr individuell. Für jeden schmeckt Soulfood anders. Es kann eigentlich alles sein, was man mit Freude zubereitet und bewusst genießt – am besten aus frischen Zutaten.

 Wie wichtig ist der bewusste Umgang mit Süße und wie kann Genuss Teil einer gesunden Ernährung sein?

Vanessa Hein: Genuss ist essenziell. Gerade beim Zucker ist eine Reduktion wichtig, aber das bedeutet nicht den kompletten Verzicht. Wenn man sich ab und zu ein Stück Kuchen oder ein Dessert gönnt, das vielleicht nicht den ganz hohen Zuckergehalt hat, ist das völlig in Ordnung.

 

Welche gesundheitlichen Vorteile siehst du im Genuss von heimischen Kräutern?

Vanessa Hein: Heimische und regionale Kräuter sind toll und wichtig für die tägliche Ernährung. Sie sind oft frisch, haben kurze Transportwege und liefern dadurch viele wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine.

 

Ernährung ist ja nur ein Teil des Puzzles. Wie wichtig sind Schlaf, Erholung und mentale Balance?

Vanessa Hein: Diese Faktoren sind genauso wichtig wie die Ernährung. Nur im Zusammenspiel mit gutem Schlaf, ausreichend Bewegung und Stressmanagement kann der Körper gesund bleiben und optimal regenerieren.

 

Das heißt, die Ernährung wirkt sich auch stark auf die Lebensqualität im Alter aus?

Vanessa Hein: Alle diese Punkte sind dafür sehr wichtig. Gerade eine schlechte Ernährung im Zusammenhang mit Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes schränkt die Lebensqualität stark ein. Wenn man sich schlecht ernährt, nimmt man an Gewicht zu, verliert Muskulatur und braucht viel länger, um sich wieder zu erholen.

 

Wie sieht für dich ein idealer, gesunder Tag aus – vom Frühstück bis zum Abendessen?

Vanessa Hein: Der Tag sollte bunt und abwechslungsreich sein. Morgens vielleicht ein Naturjoghurt mit selbstgemachtem Müsli und Obst. Mittags und abends sollte Gemüse den größten Teil des Tellers ausmachen, dazu eine gute Proteinquelle wie Fisch, Fleisch oder Hülsenfrüchte, sowie gesunde Fette. Und das Wichtigste: Es sollte schmecken und guttun! Abends sollte man zudem darauf achten, nicht zu spät und nicht zu schwer zu essen, damit der Schlaf nicht beeinträchtigt wird.