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MUSIK IM BLUT Wissen, wo man hingehört

Einblicke, Zillertal | Vitus Amor | 23.04.2018

„Das Zillertal ist das musikalischste Tal der Welt“, sagt der Bandleader der „Zillertaler Haderlumpen“. Was vor 30 Jahren als Gaudi dreier sechzehnjähriger Burschen begann, wurde zu einer der erfolgreichsten Volksmusik-Gruppen. Das Trio zieht im August zehntausend Fans zum Open Air Konzert nach Zell. Vitus Amor erzählt.

Im Zillertal wächst man in die Volksmusik buchstäblich hinein. Hier lebt ein von Grund auf fröhlicher Menschenschlag, der das Brauchtum liebt, mit Leib und Seele musiziert und das Leben zu feiern versteht. Hier im Tal gibt es laufend große und kleine Feste und so nannten wir uns zunächst auch die „Drei lustigen Zillertaler“. Wir, das waren und sind bis heute unser Leadsänger Peter Fankhauser an der Gitarre, sein Cousin Reinhard Fankhauser als Bassist und ich mit der steirischen Harmonika. Weil’s im Zillertal so unendlich viele kleine Lokalitäten und Tanzabende gibt, hatten wir hier eine tolle Plattform für mindestens ebenso unendlich viele Auftritte vor Mini-Publikum, teils auch urmühsame Bühnen, um heraus zu finden, wohin wir musikalisch wollten. Wir sind ja drei sehr konträre Typen und hatten am Anfang wilde Diskussionen, z.B. ob man „Sierra Madre“ als Zugabe singen muss. Aber dann kam der Erfolg mit unseren eigenen Stücken – heute wird unser Song mit der Welle „1, 2 oder 3000 Jahr“ von anderen interpretiert und wir singen „I bin a Haderlump“ zum Abschluss. So wächst man zusammen.

Authentisch sein, ist das Allerwichtigste


Im Zillertal lernt man als junger Mensch auch noch eine zweite Sache von Grund auf - nämlich dass die hiesige, natürliche Geschäftsfreudigkeit nur ein Bein des Erfolgs ist. Auf dem anderen muss man sein Ureigenes entwickeln, seinen Stil finden, seine eigene Marke werden – egal ob Bäcker, Bergbauer, Musiker oder Hotelier. Hier bei uns im Tal lernt man durch Vorbilder diesen Mut, sein eigenes Ding zu machen, zu seiner Eigenart zu stehen und eben authentisch zu sein. Das war für uns als junge Band ganz entscheidend, denn der Volksmusikmarkt war damals überflutet. Jeder Mensch und so auch ein Publikum spürt einfach, ob man etwas aus Lust und Liebe und Überzeugung tut. Das ist die Kraft, die Dynamik.

Bodenständiges Leben und die Weite der Berge


Ein Haderlump ist ein Spitzbub, der am Ende des Tages immer weiß, wo er hingehört. Das passt auf uns alle drei. Wir schätzen das bodenständig andere Leben hier über alles und haben ja auch alle Beruf und Familie. Ich selbst liebe es, in meinem Optik- & Schmuckladen „Amor“ zu stehen und „Bitte, Danke, Grüß Gott und Auf Wiedersehn“ zu sagen. Das erdet mich genauso wie wenn ich mit den Tourenskiern oder dem Mountainbike in meiner geliebten Zillertal Arena los zieh’. Dieses Gefühl hier oben bei uns in den Bergen ist so gewaltig wie auf der Bühne vor tausend Menschen Publikum zu singen. Deshalb haben wir auch die Zahl unserer Konzerte halbiert – 75 im Jahr. Nun ja, das bedeutet immer noch zahllose Stunden unterwegs im Bus. Während dieser Fahrten allerdings entstehen die meisten unserer Lieder – das ist unsere Haderlumpen-Zeit. Und wir haben noch immer a Hetz’, eine Gaudi miteinander.

HOTELIERSFAMILIE EGGERBeschwingter Urlaub im DasPosthotel

Johann Egger, der Großvater von Christina Binder-Egger, ernannte man 1985 – nach 55 Jahren Zugehörigkeit – zum Ehrenmitglied der Musikkapelle Zell, die heuer wiederum ihr 200- jähriges Jubiläum feiert. Zur Begleitung seiner Kollegen spielte er stets bei den Tanzabenden im Hotel die Harfe und Tante Hilda sang zum Abschied der Reisebusse zur Gitarre ihre Lieder. Auch heute hat die Zillertaler Tradition im DasPosthotel ihren festen Platz. Die Haus- Wanderungen führen oft zur Schwarzachalm, wo Hüttenwirt Hansl auf seiner Steirischen für Stimmung sorgt und am ersten Mai-Wochenende heißt es zu Österreichs größtem Frühlingsfest, dem Gauderfest in Zell am Ziller, ganz besonders musikalisch „Herzlich willkommen!“

VOLKSMUSIK IM ZILLERTALMusikanten spielts auf!

Im Zillertal gibt es unzählige Anlässe und Gelegenheiten, der traditionellen Volksmusik zu lauschen und gar auch das Tanzbein zu schwingen – ja, die Volksmusikanten aus dem Zillertal haben ganz wesentlich zum Ruhm der Landschaft und zum florierenden Tourismus beigetragen. Das ging los mit der Sängerfamilie Rainer aus Fügen, welche die „Stille Nacht“ in die Welt hinaustrug und 1822 das berühmte Weihnachtslied vor Kaiser Franz I. und Zar Alexander zum Besten gab. Heute sind gut 200 Musikgruppen im Zillertal aktiv und die wöchentlichen Schuhplattler- und Tanzabende eine fixe Institution. Nicht nur die Zillertaler Haderlumpen wurden zu erstklassigen Botschaftern dieser wohl einmaligen Musiktradition – auch Erwin Aschenwald und seine Mayrhofner, die Schürzenjäger, die Ursprung Buam, die Zillertaler Mander usw. haben ihre Fans auf der ganzen Welt.

Vitus Amor

Vitus Amor

Er liebt seinen Beruf als Optiker und die Rolle des Familienvaters von drei Kindern, die jeweils neun Jahre auseinander sind. Er spielt gerne Tennis, geht leidenschaftlich Radeln und Skifahren, verehrt Udo Jürgens und lässt fast alles für ein Melchermuas mit Grantn von seiner ebenso wirbelnden Frau Dunja stehen. Mit Christina Binder- Egger verbindet ihn seit Jugend eine herzliche Freundschaft.